ÜBER DEN WEG, SICH SELBST DURCH FOTOGRAFIE ZU FINDEN
In diesem Beitrag erzähle ich, wie mich die Fotografie durch einige der schwersten Zeiten meines Lebens begleitet hat.
Ich habe früh gelernt, dass Kreativität mehr ist als Ausdruck – sie kann ein Anker sein, ein Ort, an dem man wieder zu sich findet.
Es gab eine Zeit, in der alles gleichzeitig zu viel und zu leer war. Ich hatte zwei Firmen, eine eigene Druckerei, Verantwortung, Dauerstress – bis irgendwann gar nichts mehr ging. Ich war ausgebrannt. Mein Körper und mein Kopf haben die Notbremse gezogen. Panik, Enge, Schweißausbrüche – Situationen, die früher selbstverständlich waren, wurden plötzlich zu einer Herausforderung. Also zog ich den Stecker. Ich ließ alles hinter mir, verkleinerte meine Firma, gab das Büro auf und suchte nach etwas, das sich wieder richtig anfühlte. So kam die Fotografie in mein Leben – zunächst leise, dann immer stärker. Mit der Kamera in der Hand wurde die Welt für einen Moment stiller. Fotografie wurde zu einem Ort, an dem ich atmen konnte.
Die Fotografie hat mir geholfen, meine Kreativität nicht nur als Talent zu sehen,
sondern als Werkzeug, mit dem ich mich selbst wieder aufbauen kann.
![Zwischen Licht und Schatten [ Leonardo Formaro ] Zwischen Licht und Schatten [ Leonardo Formaro ]](https://lformaro.de/wp-content/uploads/2025/10/zwischen-licht-und-schatten-13.jpg)
Dann kam die Zeit, die mich am meisten verändert hat. Mein Sohn Gabriele wurde mir genommen – durch HLH, eine seltene, lebensbedrohliche Krankheit. Nichts kann einen auf so etwas vorbereiten. Es verändert alles – wie man denkt, fühlt, atmet. Ich verlor Ruhe, Vertrauen, Leichtigkeit. Aber ich habe auch gelernt, dass Kreativität mehr ist als Ausdruck. Sie wurde mein Weg, mit Schmerz umzugehen – ihn in etwas Greifbares zu verwandeln und mich zurück auf die Spur zu bringen. Kreativität begleitet mich, seit ich denken kann – in Musik, Design und Fotografie. Sie war schon immer Teil meines Lebens, und ich werde sie nie aufgeben, solange ich es kann.
Heute bedeutet Fotografie für mich weit mehr als Technik oder Beruf. Egal ob ein professionelles Model, ein emotionales Portrait oder ein intimes Boudoir-Shooting – ich liebe es, Menschen so zu sehen, wie sie wirklich sind. Nicht das Inszenierte interessiert mich, sondern der ehrliche Moment dazwischen – wenn jemand loslässt, echt ist, sich zeigt. Dort entsteht für mich Kunst. „You are Art.“ – dieser Gedanke begleitet jede meiner Aufnahmen. Denn jeder Mensch trägt etwas Besonderes in sich, das sichtbar werden darf.
In jedem Bild liegt ein Stück meines Weges,
aber noch viel mehr von dem Menschen, der mir vertraut hat.
